Die Briefe der Diotima

Die Briefe der Diotima veröffentlicht von Frida Arnold 1921
Susette Gontard an Friedrich Hölderlin 1798 – 1800
http://archive.org/stream/diebriefederdiot00gontuoft

So lieben wie ich Dich, wird Dich nichts mehr,
so lieben wie Du mich, wirst Du nichts mehr

Xamais volverán amarte como te amo,
xamais volverás a amar como me amas

No one will ever love you the way I love you,
and you will never love anyone else the way you love me

Nunca volverán a amarte como te amo,
nunca volverás a amar como me amas

Susette Gontard 24

die uns nahe sein kann, weil vielleicht sie uns für immer von einander reißt. Wie oft tadle ich Dich und mich, dass wir so stolz alle Beziehungen uns unmöglich gemacht, uns nur auf uns selbst verlassen haben. Wir müssen jetzt vom Schicksal betteln, und durch tausend Umwege einen Faden zu leiten suchen, der uns zusammen führt. Was wird aus uns werden, wenn wir für einander verschwinden sollten? — —
Noch könnte ich mich nie beruhigen, wenn ich denken müsste, dass ich Dich ganz der Wirklichkeit entrückt, Du Dich mit meinem Schatten begnügen wolltest, dass Du durch mich vielleicht Deine Bestimmung verfehlt, wenn ich von Dir darüber gar nichts mehr hörte und beruhigt würde. Wenn es sein muss, dass wir dem Schicksal zum Opfer werden, dann versprich mir Dich frei von mir zu machen und ganz zu leben wie es Dich noch glücklich machen, Du nach Deiner Erkenntnis Deine Pflichten für diese Welt am besten erfüllen kannst, und lass mein Bild kein Hindernis sein. Nur dieses Versprechen kann mir Ruhe und Zufriedenheit mit mir selbst geben. — — So lieben wie ich Dich, wird Dich nichts mehr, so lieben wie Du mich, wirst Du nichts mehr, (verzeihe mir diesen eigennützigen Wunsch) aber verstocke Dein Herz nicht, tue ihm keine Gewalt, was ich nicht haben kann, darf ich nicht neidisch vernichten wollen. Denke nur ja nicht Bester, daß ich für mich spreche. Mit mir ist das ganz anders, ich habe meine Bestimmung zum Teil erfüllt, habe genug zu tun in der Welt, habe durch Dich mehr bekommen als ich noch erwarten durfte. Meine Zeit war schon vorbei, aber Du solltest jetzt erst anfangen zu leben, zu handeln, zu wirken, lass mich kein Hindernis sein, und verträume nicht Dein Leben in hoffnungslose Liebe.
Die Natur, die Dir alle edlen Kräfte, hohen Geist und tiefes Gefühl gab, hat Dich bestimmt, ein edler vortrefflicher glücklicher Mann zu werden, und es in allen Deinen Handlungen zu beweisen. Doch noch leuchtet uns die Hoffnung für unsere geliebte Liebe, lass uns sie pflegen und erhalten, so lange wir nur können. Eine Stunde voll Seeligkeit des Wiedersehens und Hoffnung in der Brust sind genug, ihr Leben auf Monate lang zu erhalten. Lass uns die Augen nur nicht zudrücken und uns überraschen lassen vom Schicksal, damit wir das Nötigste und Beste tun können. Beruhige mich, wenn Du kannst, über die Zukunft. In der Mitte des Mai kommt mein Bruder (der wieder völlig hergestellt ist), wenn die Kriegsunruhen es nicht ganz verhindern. Während dieser Zeit sehe ich noch nicht ein, wie es möglich ist eine Beziehung  zwischen

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playlist Le Mépris (Jean-Luc Godard, 1963) – Part 2

Ich liebe Le Mépris, ich glaube ich verstehe alles, ich glaube ich habe es in einer Beziehung selbst so empfunden

Ich liebe Le Mépris, wegen Fritz Lang und dem jungen Michel Piccoli

Ich liebe Le Mépris, wegen der Rolle der Übersetzerin

Ich liebe Le Mépris, wegen der Villa Malaparte

Ich liebe Le Mépris, wegen der Musik von Georges Delerue

Ich liebe Le Mépris, weil von Capri kann man die Vulkane von Campania sehen


Dichterberuf

Des Ganges Ufer hörten des Freudengotts
    Triumph, als allerobernd vom Indus her
        Der junge Bacchus kam mit heilgem
            Weine vom Schlafe die Völker weckend.

Und du, des Tages Engel! erweckst sie nicht,
    Die jetzt noch schlafen? gib die Gesetze, gib
        Uns Leben, siege, Meister, du nur
            Hast der Eroberung Recht, wie Bacchus.

Nicht, was wohl sonst des Menschen Geschick und Sorg‘
    Im Haus und unter offenem Himmel ist,
        Wenn edler, denn das Wild, der Mann sich
            Wehret und nährt! denn es gilt ein anders,

Zu Sorg‘ und Dienst den Dichtenden anvertraut!
    Der Höchste, der ists, dem wir geeignet sind
        Daß näher, immerneu besungen
            Ihn die befreundete Brust vernehme.

Und dennoch, o ihr Himmlischen all und all
    Ihr Quellen und ihr Ufer und Hain‘ und Höhn
        Wo wunderbar zuerst, als du die
            Locken ergriffen, und unvergeßlich

Der unverhoffte Genius über uns
    Der schöpferische, göttliche kam, daß stumm
        Der Sinn uns ward und, wie vom
            Strahle gerührt das Gebein erbebte,

Ihr ruhelosen Taten in weiter Welt!
    Ihr Schicksalstag‘, ihr reißenden, wenn der Gott
        Stillsinnend lenkt, wohin zorntrunken
            Ihn die gigantischen Rosse bringen,

Euch sollten wir verschweigen, und wenn in uns
    Vom stetigstillen Jahre der Wohllaut tönt
        So sollt‘ es klingen, gleich als hätte
            Mutig und müßig ein Kind des Meisters

Geweihte, reine Saiten im Scherz gerührt?
    Und darum hast du, Dichter! des Orients
        Propheten und den Griechensang und
            Neulich die Donner gehört, damit du

Den Geist zu Diensten brauchst und die Gegenwart
    Des Guten übereilest, in Spott, und den Albernen
        Verleugnest, herzlos, und zum Spiele
            Feil, wie gefangenes Wild, ihn treibest.

Bis aufgereizt vom Stachel im Grimme der
    Des Ursprungs sich erinnert und ruft, daß selbst
        Der Meister kommt, dann unter heißen
            Todesgeschossen entseelt dich lässet.

Zu lang ist alles Göttliche dienstbar schon
    Und alle Himmelskräfte verscherzt, verbraucht
        Die Gütigen, zur Lust, danklos, ein
            Schlaues Geschlecht und zu kennen wähnt es

Wenn ihnen der Erhabne den Acker baut
    Das Tagslicht und den Donnerer, und es späht
        Das Sehrohr wohl sie all und zählt und
            Nennet mit Namen des Himmels Sterne

Der Vater aber decket mit heilger Nacht,
    Damit wir bleiben mögen, die Augen zu.
        Nicht liebt er Wildes! doch es zwinget
            Nimmer die weite Gewalt den Himmel.

Noch ists auch gut, zu weise zu sein. Ihn kennt
    Der Dank. Doch nicht behält er es leicht allein,
        Und gern gesellt, damit verstehn sie
            Helfen, zu anderen sich ein Dichter.

Furchtlos bleibt aber, so er es muß, der Mann
    Einsam vor Gott, es schützet die Einfalt ihn,
        Und keiner Waffen brauchts und keiner
            Listen, so lange, bis Gottes Fehl hilft.

Friedrich Hölderlin

… und wenn es doch der Fehler und nicht das Fehlen Gottes ist ?
Ich bedanke mich bei der Sterblichkeit, sie ist die Ursache all unseres Fühlens.
Der fehlende Gott, der abwesende Gott oder der gleichgültige Gott.
Gottes Fehler ist seine Unsterblichkeit.
Ein unsterbliches Wesen kennt kein Wagnis zu sterben, es existiert somit in Zeitlosigkeit, Abwesenheit, Gleichgültigkeit und Gefühlslosigkeit.

fahw

Friedrich Hölderlin Rousseau

September 23, 2012

Friedrich Hölderlin

Rousseau

Wie eng begrenzt ist unsere Tageszeit,
Du warst und sahst und stauntest, schon Abend ists,
Nun schlafe, wo unendlich ferne
Ziehen vorüber der Völker Jahre.

Und mancher siehet über die eigene Zeit,
Ihm zeigt ein Gott ins Freie, doch sehnend stehst
Am Ufer du, ein Ärgernis den
Deinen, ein Schatten, und liebst sie nimmer,

Und jene, die du nennst, die Verheißenen
Wo sind die Neuen, daß du an Freundeshand
Erwarmst, wo nahn sie, daß du einmal,
Einsame Rede, vernehmlich seiest?

Klanglos ists, armer Mann, in der Halle dir,
Und gleich den Unbegrabenen, irrest du
Unstät und suchest Ruh und niemand
Weiß den beschiedenen Weg zu weisen.

Sei denn zufrieden! der Baum entwächst
Dem heimatlichen Boden, aber es sinken ihm
Die liebenden, die jugendlichen
Arme, und trauernd neigt er sein Haupt.

Des Lebens Überfluß, das Unendliche,
Das um ihn und dämmert, er faßt es nie.
Doch lebts in ihm und gegenwärtig,
Wärmend und wirkend, die Frucht entquillt ihm.

Du hast gelebt! auch dir, auch dir
Erfreuet die ferne Sonne dein Haupt,
Und die Strahlen aus der schönern Zeit. Es
Haben die Boten dein Herz gefunden.

Vernommen hast du sie, verstanden die Sprache der Fremdlinge
Gedeutet ihre Seele! Dem Sehnenden war
Der Wink genug, und Winke sind
Von alters her die Sprache der Götter.

Und wunderbar, als hätte von Anbeginn
Des Menschen Geist das Werden und Wirken all,
Des Lebens Weise schon erfahren,

Kennt er im ersten Zeichen Vollendetes schon,
Und fliegt, der kühne Geist, wie Adler den
Gewittern, weissagend seinen
Kommenden Göttern voraus.