Marylin Monroe, Isak Dinesen, Carson McCullers - Februar 1959 Nyack, New York
Marylin Monroe, Isak Dinesen, Carson McCullers – Februar 1959 Nyack, New York

Carson McCullers, Die Ballade vom traurigen Café 1943

Die Liebe ist erstens einmal ein gemeinsames Erlebnis zweier Menschen; die Tatsache jedoch, dass es ein gemeinsames Erlebnis ist, bedeutet noch nicht, dass es für die beiden Beteiligten ein ähnliches Erlebnis ist. Es geht immer um den Liebenden und den Geliebten – doch stammen die beiden aus verschiedenen Landen. Oftmals löst der Geliebte nur all die aufgespeicherte Liebe aus, die bis dahin so lange im Liebenden geschlummert hat. Und irgendwie ahnt das auch jeder Liebende. Er fühlt es in seinem Herzen, dass seine Liebe ihn vereinsamt. Er erlebt eine neue, seltsame Einsamkeit, und er leidet unter dieser Erfahrung. Es bleibt dem Liebenden also nur eins zu tun: er muss seine Liebe nach besten Kräften in sich beherbergen; er muss sich eine vollständige, neue Welt in seinem Innern aufbauen, eine starke und eigentümliche Welt, die an sich selbst Genüge hat. Und dieser Liebende, das mag hier hinzugefügt werden, braucht nicht unbedingt ein junger Mann zu sein, der für einen Trauring spart – es kann Mann, Frau oder Kind, einfach irgendein menschliches Lebewesen auf unserer Erde sein.
Aber auch der Geliebte kann sehr verschieden beschaffen sein. Die merkwürdigsten Leute können Liebe auslösen. Ein Mann kann ein zitteriger Urgroßvater sein und noch immer ein fremdes Mädchen lieben, das er eines Nachmittags vor zwanzig Jahren in den Straßen von Cheehaw sah. Der Prediger kann eine Gefallene lieben. Der Geliebte kann treulos sein, kann fettiges Haar haben oder schlechte Gewohnheiten, ja, und der Liebende mag das alles so deutlich wie alle andern Menschen erkennen, doch das berührt das Wachstum seiner Liebe nicht im geringsten. Eine höchst mittelmäßige Person kann Gegenstand einer Liebe sein, die so wild und außerordentlich und schön wie die Giftlilie im Sumpf ist. Ein guter Mensch kann eine heftige und erniedrigende Liebe auslösen, und ein stammelnder Irrer kann in einer andern Seele ein zartes und schlichtes Glück hervorrufen. Deshalb gelten Wert und Eigenart einer Liebe einzig vom Liebenden her.
Und das ist auch der Grund, weshalb die meisten unter uns eher Liebende als Geliebte sein wollen. Fast jeder möchte der Liebende sein. Und die ungeschminkte Wahrheit lautet, dass viele es im tiefsten, verborgensten Grunde gar nicht ertragen können, geliebt zu werden. Der Geliebte fürchtet und hasst den Liebenden, und nicht ohne Grund. Denn der Liebende versucht immer und ewig, den Geliebten zu entblößen. Der Liebende sehnt sich nach jeder nur erdenklichen Annäherung, auch wenn ihm das Erlebnis nichts als Qual bereitet.

Carson McCullers, The Ballad of the Sad Café 1943

First of all, love is a joint experience between two persons — but the fact that it is a joint experience does not mean that it is a similar experience to the two people involved. There are the lover and the beloved, but these two come from different countries. Often the beloved is only a stimulus for all the stored-up love which has lain quiet within the lover for a long time hitherto. And somehow every lover knows this. He feels in his soul that his love is a solitary thing. He comes to know a new, strange loneliness and it is this knowledge which makes him suffer. So there is only one thing for the lover to do. He must house his love within himself as best he can; he must create for himself a whole new inward world — a world intense and strange, complete in himself. Let it be added here that this lover about whom we speak need not necessarily be a young man saving for a wedding ring — this lover can be man, woman, child, or indeed any human creature on this earth.
Now, the beloved can also be of any description. The most outlandish people can be the stimulus for love. A man may be a doddering great-grandfather and still love only a strange girl he saw in the streets of Cheehaw one afternoon two decades past. The preacher may love a fallen woman. The beloved may be treacherous, greasy-headed, and given to evil habits. Yes, and the lover may see this as dearly as anyone else — but that does not affect the evolution of his love one whit. A most mediocre person can be the object of a love which is wild, extravagant, and beautiful as the poison lilies of the swamp. A good man may be the stimulus for a love both violent and debased, or a jabbering madman may bring about in the soul of someone a tender and simple idyll. Therefore, the value and quality of any love is determined solely by the lover himself.
It is for this reason that most of us would rather love than be loved. Almost everyone wants to be the lover. And the curt truth is that, in a deep secret way, the state of being be loved is intolerable to many. The beloved fears and hates the lover, and with the best of reasons. For the lover is forever trying to strip bare his beloved. The lover craves any possible relation with the beloved, even if this experience can cause him only pain.

Carson McCullers, La balada del café triste 1943

Ante todo, el amor es una experiencia compartida por dos personas, pero esto no quiere decir que la experiencia sea la misma para las dos personas interesadas. Hay el amante y el amado, pero estos dos proceden de regiones distintas. Muchas veces la persona amada es sólo un estímulo para todo el amor dormido que se ha ido acumulando desde hace tiempo en el corazón del amante. Y de un modo u otro todo amante lo sabe. Siente en su alma que su amor es algo solitario. Conoce una nueva y extraña soledad, y este conocimiento le hace sufrir. Así que el amante apenas puede hacer una cosa: cobijar su amor en su corazón lo mejor posible; debe crearse un mundo interior completamente nuevo, un mundo intenso y extraño, completo en sí mismo. Y hay que añadir que este amante no tiene que ser necesariamente un joven que esté ahorrando para comprar un anillo de boda: este amante puede ser hombre, mujer, niño; en efecto, cualquier criatura humana sobre esta tierra.
Pues bien, el amado también puede pertenecer a cualquier categoría. La persona más estrafalaria puede ser un estímulo para el amor. Un hombre puede ser un bisabuelo chocho y seguir amando a una muchacha desconocida que vio una tarde en las calles de Cheehaw dos décadas atrás. Un predicador puede amar a una mujer de la vida. El amado puede ser traicionero, astuto o tener malas costumbres. Sí, y el amante puede verlo tan claramente como los demás, pero sin que ello afecte en absoluto la evolución de su amor. La persona más mediocre puede ser objeto de un amor turbulento, extravagante y hermoso como los lirios venenosos de la ciénaga. Un buen hombre puede ser el estímulo para un amor violento y degradado, y un loco tartamudo puede despertar en el alma de alguien un cariño tierno y sencillo. Por lo tanto, el valor y la calidad del amor están determinados únicamente por el propio amante.
Por este motivo, la mayoría de nosotros preferimos amar que ser amados. Casi todo el mundo quiere ser el amante. Y la verdad a secas es que de un modo profundamente secreto, la condición de ser amado es, para muchos, intolerable. El amado teme y odia al amante, y con toda la razón. Pues el amante está tratando continuamente de desnudar al amado. El amante implora cualquier posible relación con el amado, incluso si esta experiencia sólo puede causarle dolor.

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der Andere macht dich

März 26, 2013


Connie Palmen phil 18032013 Wien

Connie Palmen: „Auch wenn es nur kurze Begegnungen sind – der Andere macht dich – man hat nichts an eine Individualität – das ist ein sehr überschätztes Gut – man braucht gar keine Individualität wenn man an einem Tisch sitzt – und alleine ist – die Individualität entsteht erst in Begegnungen – dann braucht man die auch – weil jede Begegnung ist auch ein bisschen Krieg – und ein bisschen Liebe – und all das – …“

collage by fahwcollage by fahw

yo sólo escribo
para colmar la distancia
entre mi miedo y yo

Chantal Maillard
ich schreibe bloß
um die Entfernung auszufüllen
zwischen meiner Angst und mir

tr Elisabeth Siefer

“Matar a Platón” en concierto, Festival Miradas de Mujer, España 27 de marzo 2013

Es Baluard Museo de Arte Moderno y Contemporáneo de Palma

Deine Freiheit

März 20, 2013

Deine Freiheitfoto by fahw

Wenn du Angst hast
Jemand der die Macht hat
Könnte dir etwas wegnehmen
Wenn du deine Meinung sagst
Dann hat er das schon gemacht

fahw

wie wehren ?

März 18, 2013


DIE SPANIEN RETTUNG – EL RESCATE A ESPAÑA
Asamblea Popular de Tres Cantos www.asamblea3cantos.org


„Wir Völker müssen uns gegen die Versklavung der korrupten Institutionen und die Finanzspekulation wehren.“

N-am caracterul

März 18, 2013

Das Dümmste ist seit Stunden läuft das Gras in meinem neuen Kleid herum und ich sitze auf der Betonbank eine von fünf vor dem Frisiersalon die Erste ist töricht die Zweite großäugig die Dritte hinterlistig die Vierte und die Fünfte das bin ich denn unter mir steht eine Pfütze ich seh mich drin und muss Grimassen schneiden sonst kann eine der beiden die ich bin die Fellmütze vom Kopf der anderen von dem toten Vogel in der Pfütze gar nicht unterscheiden
Herta Müller auf lyrikline.org

Der Glaube an Gott ist die erste Utopie, vor der ich versagt habe, und die zweite ist die Utopie vom Glück des Volkes in einer hellen Zukunft.
Herta Müller

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The Nobel Prize in Literature 2009
Herta Müller


Nobelvorlesung
7. Dezember 2009

Jedes Wort weiß etwas vom Teufelskreis

HAST DU EIN TASCHENTUCH, fragte die Mutter jeden Morgen am Haustor, bevor ich auf die Straße ging. Ich hatte keines. Und weil ich keines hatte, ging ich noch mal ins Zimmer zurück und nahm mir ein Taschentuch. Ich hatte jeden Morgen keines, weil ich jeden Morgen auf die Frage wartete. Das Taschentuch war der Beweis, daß die Mutter mich am Morgen behütet. In den späteren Stunden und Dingen des Tages war ich auf mich selbst gestellt. Die Frage HAST DU EIN TASCHENTUCH war eine indirekte Zärtlichkeit. Eine direkte wäre peinlich gewesen, so etwas gab es bei den Bauern nicht. Die Liebe hat sich als Frage verkleidet. Nur so ließ sie sich trocken sagen, im Befehlston wie die Handgriffe der Arbeit. Daß die Stimme schroff war, unterstrich sogar die Zärtlichkeit. Jeden Morgen war ich ein Mal ohne Taschentuch am Tor und ein zweites Mal mit einem Taschentuch. Erst dann ging ich auf die Straße, als wäre mit dem Taschentuch auch die Mutter dabei.

Und zwanzig Jahre später war ich längst für mich allein in der Stadt, Übersetzerin in einer Maschinenbau-Fabrik. Fünf Uhr morgens stand ich auf, halb sieben Uhr fing die Arbeit an. Morgens schallte aus dem Lautsprecher die Hymne über den Fabrikhof. In der Mittagspause die Arbeiterchöre. Aber die Arbeiter, die beim Essen saßen, hatten leere Augen wie Weißblech, ölverschmierte Hände, ihr Essen war in Zeitungspapier gewickelt. Bevor sie ihr Stückchen Speck aßen, kratzten sie mit dem Messer die Druckerschwärze von ihrem Speck. Zwei Jahre vergingen im Trott der Alltäglichkeit, ein Tag glich dem anderen.

Im dritten Jahr war es mit der Gleichheit der Tage vorbei. Innerhalb einer Woche kam dreimal frühmorgens ein riesengroßer dickknochiger Mann mit funkelnd blauen Augen, ein Koloß vom Geheimdienst in mein Büro.

Das erste Mal beschimpfte er mich im Stehen und ging.

Das zweite Mal zog er seine Windjacke aus, hängte sie an den Schrankschlüssel und setzte sich. Ich hatte an diesem Morgen von zu Hause Tulpen mitgebracht und arrangierte sie in der Vase. Er schaute mir zu und lobte mich für meine ungewöhnliche Menschenkenntnis. Seine Stimme war glitschig. Es war mir nicht geheuer. Ich bestritt das Lob und versicherte, daß ich mich in Tulpen auskenne, aber nicht in Menschen. Da sagte er maliziös, daß er mich besser kenne, als ich die Tulpen. Dann hängte er sich die Windjacke auf den Arm und ging.

Das dritte Mal setzte er sich und ich blieb stehen, denn er hatte seine Aktentasche auf meinen Stuhl gelegt. Ich wagte es nicht, sie auf den Boden zu stellen. Er beschimpfte mich als stockdumm, arbeitsfaul, als Flittchen, so verdorben wie eine streunende Hündin. Die Tulpen schob er knapp an den Tischrand, auf die Tischmitte legte er ein leeres Blatt Papier und einen Stift. Er brüllte: Schreiben. Ich schrieb im Stehen, was er mir diktierte – meinen Namen mit Geburtsdatum und Adresse. Dann aber, daß ich unabhängig von Nähe oder Verwandtschaft niemandem sage, daß ich … jetzt kam das schreckliche Wort: colaborez, daß ich kollaboriere. Dieses Wort schrieb ich nicht mehr. Ich legte den Stift hin und ging zum Fenster, sah auf die staubige Straße hinaus. Sie war nicht asphaltiert, Schlaglöcher und bucklige Häuser. Diese ruinierte Gasse hieß auch noch Strada Gloriei, Straße des Ruhms. Auf der Straße des Ruhms saß eine Katze im nackten Maulbeerbaum. Es war die Fabrikskatze mit dem zerrissenen Ohr. Über ihr eine frühe Sonne wie eine gelbe Trommel. Ich sagte: N-am caracterul, ich hab nicht diesen Charakter. Ich sagte es der Straße draußen. Das Wort CHARAKTER machte den Geheimdienstmann hysterisch. Er zerriß das Blatt und warf die Schnipsel auf den Boden. Wahrscheinlich fiel ihm ein, daß er seinem Chef den Anwerbungsversuch präsentieren muß, denn er bückte sich, sammelte alle Fetzen in die Hand und warf sie in seine Aktentasche. Dann seufzte er tief und warf in seiner Niederlage die Blumenvase mit den Tulpen an die Wand. Sie zerschellte und es knirschte, als wären Zähne in der Luft. Mit der Aktentasche unterm Arm sagte er leis: Dir wird es noch leidtun, wir ersäufen dich im Fluß. Ich sagte wie zu mir selbst: Wenn ich das unterschreibe, kann ich nicht mehr mit mir leben, dann muß ich es selber tun. Besser Sie machen es. Da stand hier die Bürotür schon offen und er war weg. Und draußen auf der Strada Gloriei war die Fabrikskatze vom Baum aufs Hausdach gesprungen. Ein Ast federte wie ein Trampolin.

Am nächsten Tag fing das Gezerre an. Ich sollte aus der Fabrik verschwinden. Jeden Morgen halb sieben mußte ich mich beim Direktor präsentieren. Mit ihm saßen jeden Morgen der Chef der Gewerkschaft und der Parteisekretär. Wie seinerzeit die Mutter fragte: Hast du ein Taschentuch, fragte jetzt der Direktor jeden Morgen: Hast du eine andere Arbeit gefunden. Ich antwortete jedes Mal dasselbe: Ich suche keine, mir gefällt es hier in der Fabrik, ich möchte bis zur Rente bleiben.

Eines Morgens kam ich zur Arbeit und meine dicken Wörterbücher lagen im Gang auf dem Boden neben der Bürotür. Ich öffnete, an meinem Schreibtisch saß ein Ingenieur. Er sagte: Hier klopft man an, wenn man hereinkommt. Hier sitze ich, du hast hier nichts zu suchen. Nach Hause gehen konnte ich nicht, sonst hätte man einen Vorwand gehabt, mich wegen unentschuldigtem Fehlen entlassen können. Ich hatte kein Büro, mußte jetzt erst recht jeden Tag normal zur Arbeit kommen, durfte auf keinen Fall fehlen.

Meine Freundin, der ich jeden Tag auf dem Heimweg durch die elendige Strada Gloriei alles erzählte, machte mir die erste Zeit eine Ecke an ihrem Schreibtisch frei. Doch eines Morgens stand sie vor der Bürotür und sagte: Ich darf dich nicht hereinlassen. Alle sagen, du bist ein Spitzel. Die Schikanen wurden nach unten gereicht, das Gerücht unter den Kollegen in Umlauf gesetzt. Das war das Schlimmste. Gegen Angriffe kann man sich wehren, gegen Verleumdung ist man machtlos. Ich rechnete jeden Tag mit allem, auch mit dem Tod. Aber mit dieser Perfidie wurde ich nicht fertig. Keine Rechnung machte sie erträglich. Verleumdung stopft einen aus mit Dreck, man erstickt, weil man sich nicht wehren kann. In der Meinung der Kollegen war ich genau das, was ich verweigert hatte. Wenn ich sie bespitzelt hätte, hätten sie mir ahnungslos vertraut. Im Grunde bestraften sie mich, weil ich sie schonte.

Da ich jetzt erst recht nicht fehlen durfte, aber kein Büro hatte, und meine Freundin mich in ihres nicht mehr lassen durfte, stand ich unschlüssig im Treppenhaus. Ich ging die Treppen ein paarmal auf und ab – plötzlich war ich wieder das Kind meiner Mutter, denn ICH HATTE EIN TASCHENTUCH. Ich legte es zwischen der ersten und zweiten Etage auf eine Treppenstufe, strich es glatt, daß es ordentlich liegt, und setzte mich drauf. Meine dicken Wörterbücher legte ich aufs Knie und übersetzte die Beschreibungen von hydraulischen Maschinen. Ich war ein Treppenwitz und mein Büro ein Taschentuch. Meine Freundin setzte sich in den Mittagspausen auf die Treppe zu mir. Wir aßen zusammen wie früher in ihrem und noch früher in meinem Büro. Aus dem Hoflautsprecher sangen wie immer die Arbeiterchöre vom Glück des Volkes. Sie aß und weinte um mich. Ich nicht. Ich mußte hart bleiben. Noch lange. Ein paar ewige Wochen, bis ich entlassen wurde.

In der Zeit, als ich ein Treppenwitz war, habe ich im Lexikon nachgeblättert, was es mit dem Wort TREPPE auf sich hat: Die erste Stufe der Treppe heißt ANTRITT, die letzte Stufe AUSTRITT. Die waagerechten Stufen zum Drauftreten sind seitlich in die TREPPENWANGEN eingepasst. Und die Freiräume zwischen den einzelnen Stufen heißen sogar TREPPENAUGEN. Von den Bauteilen der hydraulischen, ölverschmierten Maschinen kannte ich die schönen Wörter: SCHWALBENSCHWANZ, SCHWANENHALS, der Halt der Schrauben hieß SCHRAUBENMUTTER. Und genauso verblüfften mich die poetischen Namen der Treppenteile, die Schönheit der technischen Sprache. TREPPENWANGEN, TREPPENAUGEN – also hat die Treppe ein Gesicht. Ob aus Holz oder Stein, Beton oder Eisen – wieso bauen die Menschen selbst in die sperrigsten Dinge der Welt ihr eigenes Antlitz hinein, geben totem Material die Namen vom eigenen Fleisch, personifizieren es zu Körperteilen. Wird den Spezialisten der Technik die schroffe Arbeit erst erträglich durch versteckte Zärtlichkeit. Läuft jede Arbeit, in jedem Beruf, nach demselben Prinzip wie die Frage meiner Mutter nach dem Taschentuch.

weiterlesen auf
http://www.nobelprize.org/nobel_prizes/literature/laureates/2009/muller-lecture_ty.html
„Herta Müller – Nobelvorlesung: Jedes Wort weiß etwas vom Teufelskreis“. Nobelprize.org.
18 Mar 2013 Copyright © The Nobel Foundation 2009

Kollektiv/Rauschen

März 17, 2013

Kollektiv/Rauschen
collective noise at The Morning Line Vienna
www.kollektivrauschen.org

Everybody Dies But Me

März 14, 2013


Everybody Dies But MeVse umrut, a ya ostanus (2008)
Regie Valeriya Gai Germanika
Drehbuch Yuriy Klavdiev, Aleksandr Rodionov

Der Film zeigt die Probleme mit dem erwachsen werden und den Alltag von drei Mädchen in einem heruntergekommenen Arbeiterviertel bei Moskau.

CC ;O)

Bratislava by * y u l i x * Juliana DevisBratislava foto by * y u l i x * Juliana Devis

ich habe
aus Liebe
gelogen betrogen verschleiert
ergaunert erschwindelt
Nähe erschlichen
nachgestellt verfolgt gejagt
gesammelt gespeichert studiert übersetzt
das Wesen des Leuchten
versucht zu ergründen
mich zwingt
trauernd bewusst
wer mich trennt

fahw